geocaching fein serviert

Geocaching in London

mity! | 30.10.2006 17:13 Uhr | Kommentare: 3 | Kommentar hinterlassen
Einsortiert in Locations, Touren

Big Ben‘Uschiih’ und ich haben sich kürzlich mal spontan entschlossen, London einen Besuch abzustatten. Also hieß es innerhalb von zwei Tagen nicht nur ein Bed & Breakfast rauszusuchen und einen Billig-Flug (naja… billig?) zu buchen sondern last not least auch noch zu schauen, was es so an Geocaches in der Hauptstadt des Empires gibt…

Als Ergebnisse haben wir ein traumhaft schönes Quartier gefunden (mit Himmelbett, eigenem Kamin und – wie sich vor Ort herausstellte - einer Ausgabe der Encyclopædia Britannica von 1911 auf dem Zimmer), durften feststellen, dass man zu den lauthals beworbenen Flugpreisen noch locker 50% für Steuern, Gebühren, Gepäck und erweiterte Fluhafen-Anfahrt hinzurechnen muss und starrten schließlich auf mehrere hundert Geocaches im City-Bereich von London. :shock:

Puh! Also hieß es, gnadenlos auszufiltern. Da nicht mehr viel Zeit zur Vorbereitung blieb und wir uns auch auch primär London anschauen wollten, habe ich meine Suchliste mal auf Traditional Caches im engsten City-Bereich reduziert. Auch das waren schließlich noch genug. Und so ging’s dann los mit einem GPSr voller Wegpunkte, etlichen Cache-Beschreibungen im Pocket PC und der Spannung, wie Geocaching in dieser 7-Millionen-Stadt aussehen wird. Ist London auch in Sachen Geocaching sowas wie ein Trendsetter für uns?

Ich hatte im Vorfeld ein bißchen Sorgen wegen der Empfangsbedingungen in den Straßen Londons, doch da hat sich mein Magellan ganz wacker geschlagen. Mit SirfIII sollte das wohl gar kein Probem mehr sein. Und wenn doch mal gar nichts mehr geht, dann hilft ein Blick zu Google Maps oder direkt in britische Landkarten bei Streetmaps, um herauszubekommen, wo der Cache liegen sollte. Internet-Cafés dafür gibt es wirklich an jeder Ecke und es sind darüber hinaus häufig sogar ausgesprochen nette und gut besuchte Bistros. Eine Stunde Internet kostet so ca. 1,50 Euro. Den passenden Ort findet man dann durchaus auch mal ohne GPSr nur mit Stadtplan und der Cache-Beschreibung. Grundsätzlich kann ich sowieso nur wärmstens empfehlen, sich einen der in London ausgesprochen beliebten Straßen-Atlanten zu besorgen. Das ist ein Stadtplan im Buchformat, die es auch in Hosentaschen-tauglicher Mini-Ausführung gibt. Ausgesprochen hilfreich!

Mikro-CacheUnser erster Cache in London war dann gleich sowas wie ein „Augen-Öffner“ und typisch für das, was uns da so in den nächsten Tagen erwartete. Wir standen am Rande einer Rasenfläche gegenüber den Houses of Parliament. Es galt einen Mikro zu finden. Schon auf den ersten Blick waren hier etwa fünf Mikros zu sehen… Allerdings alle vor laufenden Kameras! Rund um die vermeintliche Cache-Location hatten sich etliche Fernsehteams postiert und übertrugen Korrespondenten-Berichte oder zeichneten Interviews mit Parlamentariern auf. Uff! Und da soll man nun ganz unverkrampft (und unauffällig) Suchen. :? Aber schließlich (zugegebenermaßen nur mit Hint) gelang es mir, hinter einem Stromkasten den Cache zu entdecken: Ein etwa knopfzellengroßer Magnet-Behälter (übrigens ein Cache mit der Difficulty/Terrain-Wertung 1/1).

Die überwiegende Mehrzahl der Innenstadt-Caches in London sind Mikro-Caches. Es bedurfte durchaus einer gewissen Suche in den Listen, bis ich einen geeigneten Cache in City-Lage gefunden hatte, in dem ich eine mitgebrachte Geocoin unterbringen konnte. Hinzu kommt noch, dass Filmdosen schon zu den geräumigeren Mikros zählen. Sehr beliebt sind Hüllen von Speicherkarten oder die magnetischen „Key-Safe-Container“, flache Platikschachteln zur Aufnahme eines (Auto-) Schlüssels, beides leider überhaupt nicht wasserdicht.

Es gibt diverse Geocaches in London, die ihre Difficulty-Wertung ausschließlich dem Umstand verdanken, dass sie sich an ausgesprochen exponierten Orten befinden. Es gibt Caches, bei denen ist es nahezu unmöglich sie zu heben, ohne “dass Egon einen Plan hat”. Soll heißen: Raffinierte Tarnung (professionelle und umfangreiche Kamera-Ausrüstung, Handwerker-Verkleidung, mitgeführte Gartengeräte oder ähnliches) oder großangelegte Ablenkungsmanöver sind zum Zugriff nötig…

Grundsätzlich ist die Muggeldichte aber gar nicht die Haupt-Herausforderung. Es ist im Gegenteil eher so, dass man an besonders belebten Plätzen kaum beachtet wird, auch wenn man sich erstaunlich lange für ein bestimmtes Detail an einem gusseisernen Zaun interessiert oder anscheinend vor hat, die Speisekarte vom indischen Restaurant auswendig zu lernen. :wink:

Viel problematischer ist da die tatsächlich allgegenwärtige Video-Überwachung (CCTV) und die an vielen Stellen zu sehenden Sicherheitvorkehrungen. Den einen oder anderen Cache haben wir ungesucht gelassen, weil sich vor Ort nicht nur der Nervenkitzel des Geheimen einstellte, sondern sich das ungute Gefühl einschlich, etwas Verbotenes zu tun. Traurig, dass es so ist, aber es gibt so Stellen, da muss man sich einfach fragen “Wie sieht das gerade aus, was Du hier tust?” So haben wir uns zum Beispiel sehr gründlich vergewissert, dass es wirklich keine Video-Augen und weit und breit keine Menschenseele gibt, bevor wir eines nachts die verwinkelten Stahlträger einer Eisenbahnbrücke abtasteten. Und es blieb das mulmige Gefühl, jeden Moment einer Anti-Terror-Einheit gegenüber zu stehen. Gut wenn man dann notfalls eine plausible Erklärung für sein Tun parat hat (besonders blöd, wenn man den Cache eben nicht gefunden hat).

Aber letztendlich ist Geocaching natürlich freiwillig (wie ich gerade selbst erst zu hören bekam, als ich über einen berliner Cache grummelte), und jeder muss selbst wissen, was einem Spaß macht und welchen Cache man eben auch mal liegen lassen kann.

Gleis 9 3/4Wir hatten jedenfalls unseren Spaß, auch wenn das gerade alles vielleicht etwas kritisch klang. Aber ich wollte ja hier etwas darüber schreiben, was anders ist als zu Hause… Und wir haben gerade durch die gesuchten Geocaches ein paar tolle Orte „abseits der ausgetretenen Touristenpfade“ entdeckt. Von idyllischen kleinen Parks inmitten der Großstadt-Hektik, über phantastische Aussichtsstellen bis hin zu versteckten Zugängen von verlassenen U-Bahnhöfen. Und natürlich waren wir als bekennende Harry-Potter-Fans auch auf Gleis 9 3/4 im Bahnhof Kings Cross… :cool:

Wer sich ein wenig auf das Geocachen in London vorbereiten möchte, findet bei Chris und Maria ein paar grundlegende Hinweise dazu. Unter anderem gibt es von den beiden auch einen ganz witzigen Tube-Plan, also einen Londoner U-Bahn-Plan, in den sämtliche Caches eingezeichnet sind, die sich unmittelbar an oder in der Nähe der jeweiligen U-Bahnhöfe befinden.

Die allgemeine Plattform der britischen Geocacher ist Geocacheuk.com. Dort gibt es unter anderem interaktive Karten für das Königreich und auch Listen mit Caches in und um London.

Dieser Eintrag bezieht sich auf die folgenden Geo-Daten:
Koordinaten: N51° 30.504' W00° 6.972'
Finde die nächsten Geocaches um die Koordinaten

3 Kommentare zu “Geocaching in London”

  • #1
    Avatar geometer42 meinte

    Eure Reiseberichte sind immer wieder nett zu lesen. Sehr sinnvoll auch die Links und zusätzlichen Infos für Nachahmer. So was hätte ich vor einem Jahr gebraucht :-) . Leider war die Zeit vor dem Abflug damals so knapp, dass ich völlig unvorbereitet ins Londoner Caching Revier reisen musste. Das WLan im Hotel funkionierte nicht richtig und kostete ein kleines Vermögen pro Minute. Da blieb nur der Weg in ein Internet-Cafe. Leider mussten wir lange suchen, bis wir eins fanden: Im Souterrain eines ziemlich abgerissenen indischen Lebensmittelladens. Die Luft da unten war zum schneiden, der Duft von Räucherstäbchen und allerlei Gewürzen betäubte die Sinne, aber mein Muggel-Begleiter hielt tapfer durch und so gelang es uns Screenshots (wörtlich: mit der Digicam) von ein paar interessanten Cachelistings zu machen. In den nächsten Tagen machten wir immerhin 2 sehr schöne Caches in Hampstead Heath und Greenwich und der Urlaub war gerettet.

  • #2

    Vor anderthalb Jahren ging’s mir ja genau so: Nach einem Oxford-Aufenthalt hatte ich noch einen Tag in London und war Geocaching-mäßig total unvorbereitet. Habe an diesem Tag dann auch überhaupt nicht gecacht, weil es mir knapp zwei Wochen nach den Bombenanschlägen von London nicht besonders klug erschien, mich da irgendwie konspirativ zu verhalten…

    Das mit den Internetcafés ist wahrscheinlich ein typischer Fall für eine der erweiterten Murphy’schen Regeln: Je intensiver man danacht sucht, desto unwahrscheinlicher wird, das man eins findet.

    Wir haben wirklich ausgesprochen viele entdeckt, speziell, wenn man die großen Hauptstraßen mal verlässt. Aber wir haben eben auch keins gesucht… :wink:

    Da Du nun schreibst, dass Du nicht so leicht eins finden konntest, schiebe ich hier noch mal zwei Links nach, die ich schon beim Schreiben des Artikels auf dem Tisch hatte. Also, wer sich vorab schon mal anschauen möchte, wo es Internetcafés gibt kann zum Beispiel hier nachschlagen:

    cafeindex.co.uk oder
    easyinternetcafe.com

    Die hier hier zu findenden Listen sind aber bei weitem nicht vollständig. Mein Tipp: Im Zweifelsfall einfach ein bißchen durch Soho schlendern…

  • #3

    […] Vor ein paar Tagen bin ich darüber gestolpert, dass etliche der von mir in London gefundenen Geocaches archiviert sind. Nanu, was ist denn da los? […]

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachten: Mit der Abgabe eines Kommentares oder dem Senden eines Trackbacks erklärst Du Dich mit unseren Kommentar- und Trackbackrichtlinien einverstanden!

XHTML: Diese Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>