Wenn man den bisherigen Logs glauben schenkt, dann gehören die Lichter in der Stadt zu den schwersten Caches, die man momentan so in Berlin in Angriff nehmen kann. Es geht dabei darum, dass vom Fernsehturm aus ein Geheimsignal gesendet wird, dass man nur von einer bestimmten Stelle in der Stadt mit bloßem Auge sehen kann. Mehrere Stationen führen den Suchenden dorthin.
Der Owner hat es dabei nicht an technischer Raffinesse und kniffligen Verschlüsselungen fehlen lassen, um den Lösungsweg (oder Leidensweg?
) zu einem lang anhaltenden Vergnügen zu machen.
Das klang natürlich vielversprechend genug, um mit diesem Cache schon seit längerer Zeit zu liebäugeln. Allerdings schien die Aufgabe doch übermächtig. Als mich dann aber vor ein paar Tagen lichtje und Holkf fragten, ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen und vanguard zusammen nachts bei feuchtkaltem Wetter an zweifelhaften Orten rumzulungern, da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Dass sogar Uschiih unbedingt mit wollte (”Ich will ja nicht immer als Nicht-Cacher dastehen…“) hat mich zwar überrascht, sollte sich aber noch als absoluter Glücksfall für den Erfolg des Unternehmens herausstellen…
Im Folgenden könnt Ihr lesen, wie es uns auf dem Weg zum Final ergangen ist…
Der Versuch einer ganz persönlichen Chronik
Zur Vorbereitung gänzlich anderer Cacher-Aktivitäten bildete sich also vor einigen Tagen ein Team aus den oben genannten Protagonisten, das so ganz nebenbei (zum Kennenlernen und “Aufwärmen”
) die ‘Lichter in der Stadt’ beleuchten will. Na, da bin ich doch gerne dabei!
Ach so, die anderen haben Stage 0 schon gelöst? Sowas will ich natürlich gar nicht hören, schließlich lassen das SEINE gestrengen Log-Regeln und meine ganz persönliche Cacher-Ehre nicht zu…
Montag, 29.01.2007
“Selbst gepeilt” heißt es also. Nun gut, da stehe ich nun am nördlichen Knoten des neuen berliner Bahnnetzes und beobachte das lustige Treiben ringsum. Erinnert mich an Zeiten, als kurz vor Weihnachten noch die elektrische Eisenbahn im Kinderzimmer aufgebaut wurde. Da war es dann auch abends am schönsten, wenn die Lichter an waren. Ach ja, Lichter - deswegen bin ich ja hier…
Da ist auch genug was leuchtet, blitzt und blinkt. Aber nichts spricht mit mir. Ein verdächtiger Kandidat stellt sich kurze Zeit später als Signal heraus, vor dem sich ein Strauch bewegt. Auch mit “indirektem Sehen” (was so ähnlich funktioniert wie das Umgehen eines PAL-Feldes in “Per Anhalter durch die Galaxis”, indem man versucht, gelangweilt am Ziel-Objekt vorbei zu schauen) will sich mir keine neue Welt eröffnen.
Nach einer Dreiviertelstunde habe ich genug… und einen Plan!
Dienstag, 30.01.2007
So, wenn ich hier gemäß der Cache-Beschreibung eine Fernsehinformation finden soll, dann hilft zum Fernsehen vielleicht ein Fernglas! Und siehe da, schon nach wenigen Minuten tippt der Schein der Erkenntis zaghaft an die Schwelle meines Bewußtseins. Da ich ihre Sprache (die der Erkenntnis) aber nicht so fließend beherrsche, zeichne ich den genauen Wortlaut einfach auf.
Zuhause offenbart mir ein geeigneter Sprachführer schließlich nach und nach die Botschaft. Nanu? Die kommt mir so bekannt vor… Gehört es zum teuflischen Plan dazu, dass einem hier das eigene Versagen noch mal vorgeführt wird? Na, da hilft alles nichts, nun muss es zur “Konfrontations-Therapie” kommen…
Mittwoch, 31.01.2007
Erstmals trifft sich das Team. Schnell stellt sich heraus, dass das teuflische an der Botschaft ist, das sie sozusagen zu zwei Orten führt. Bei einem stellt sich bei mir so ein gewisses Kribbeln im Nacken ein. Intuition? Oder liegt es einfach am kalten Wind? Na, mehrheitlich wird beschlossen, erst mal den anderen Ort zu “Scannen”. Nichts zeigt sich. Nichts kribbelt.
Also schaue ich mir noch mal den ersten Ort an. Nichts. Wieder zurück zum Team. Immer noch nichts. Fast zwei Stunden sind inzwischen vergangen. Kälte schleicht heimtückisch um unsere Motivation herum, der Nieselregen tut das Seinige. Aus Euphorie wird Halbherzigkeit. Spuren von Frust schweigen zwischen Halbsätzen. An Aufgabe will keiner Denken - aber vielleicht eine Pause zum Aufwärmen?
Aber vorher wollen wir dann doch zusammen noch mal den anderen Ort anschauen. Eigentlich ohne Hoffnung. Aber das Kribbeln ist wieder da. Es zieht mich an eine Stelle. Aber da ist nichts. Außer… Aber nein, das ist doch nur… Wie sollte das auch gehen? Oder… Oh mein Gott, es ist die Botschaft! Zuerst kann es kaum einer glauben. Aber dann wird mit wieder erwachter Begeisterung die mitgebrachte Technik aufgebaut. Nichts von der Botschaft soll verloren gehen.
Und dann endlich ins Warme. Bis nach Afrika verschlägt es uns an diesem Abend noch, und in skurriler Kulisse (Wird hier eventuell nur “Restaurant” gespielt? Die minutenlange Hilflosigkeit auf die Frage nach einer Speisekarte war jedenfalls einer der Höhepunkte des Abends.) entsteht die kreative Stimmung, in der man Codes knackt. Die erste Stufe ist bekannt und braucht Geduld und Fleiß. Die zweite Stufe zeigt recht schnell, dass wir richtig liegen. Doch als wir denken, die Lösung in Händen zu halten, wird uns wieder nur eine lange Nase gezeigt… Das gibt’s doch nicht!
Aber es muss die Lösung sein. Wir vertagen uns, doch noch in der selben Nacht schimmert bläulich die Erkenntnis von dem einen oder anderen Monitor in dieser Stadt…
Donnerstag, 01.02.2007
Pause.
Freitag, 02.02.2007
Eine neue Team-Verabredung an Stage 2 steht. Ich war ja auf viel vorbereitet (ausrüstungstechnisch und in demütiger Erwartung des Zeitaufwands), aber nicht auf das, was folgte…
Nach fröhlicher Begrüßung und kurzem Gedankenaustausch, was wir so vermuten, setzten wir uns in Bewegung, um uns erst mal einen Überblick zu verschaffen. 30 Sekunden später sagt Uschiih “Da isses!” Ich setze schon eine mitleidig-gutmütige Miene auf und sage “Ja, ja, schon gut. Prima aufgepasst, aber das ist doch nur… äh - … - DIE GEHEIME BOTSCHAFT!
Und zwar direkt vom Fernsehturm-Café aus.“
Wir können es gar nicht fassen. Uschiih gibt sich fortan ausgesprochen bescheiden, ist aber ab sofort der große Joker in unserem Team.
Nachdem wir in bewährter Weise eine Kopie der Nachricht angefertigt haben, suchen wir uns in ebenso bewärter Art wieder ein heimeliges Plätzchen zum Lesen der Botschaft. Diesmal verschlägt es uns nach Indien, genau genommen nach Bombay, wo wir bei leckerem Essen dann wieder über kurz oder lang diskutieren. Es fängt auch alles ganz vielversprechend an, bis die Übersetzung des Gefundenen ins Stocken gerät. Sind wir jetzt irgendwie asynchron geworden? Ah ja, genau. Denn schon nach kurzer Mustererkennung und kreativer Halbwissen-Vermischung sprudeln jene Ideen, aus denen konkrete Fragen kondensieren, auf welche es schließlich klare Antworten im weltweiten Wissensschatz gibt. Geschwind wird ein neuer Interpreter im kognitiven System installiert und endlich erscheinen im Takt der Übersetzung jene Zeichen auf dem Notizpapier, auf die wir alle gewartet haben.
Und das Ende? Tja, wie es so ist, wenn fünf (nicht völlig unerfahrene) Geocacher sich auf die Suche nach einer Dose begeben… Wir haben sie!
Fazit
Also, das war eine echt anspruchsvolle Runde. Hier ist jede Station für ‘ne Überraschung gut (mein absoluter Favorit in Sachen Tarnung ist ja Stage 1
). Und immer, wenn man denkt, man hat die Lösung, dann gibt’s noch einen Nachschlag…
Durchaus bemerkenswert ist der Ideenreichtum und die konkrete Umsetzung der einzelnen Stationen. Wer ungeduldig ist oder nicht auch gerne mal an einem Rätsel knobelt, hat hier definitiv nichts verloren. Alle anderen: Ran! Das Ding ist lösbar!
Und haben wir was draus gelernt? Na aber! Neben diversen Techniken der Übermittlung von Nachrichten wohl vor allem, dass man mit ‘nem tollen Team alles schaffen kann!


am 08.04.2008 um 19:30 Uhr :
[…] Eigentlich wollten wir an dem Abend nach dem Event ja nicht mehr raus, aber als wir dann nach einem kleinen Nachtmahl und wieder halbwegs getrockneten Hosen im Gutshof Vorbeck saßen und feststellten, dass wir (okay: ich) den Rotwein vergessen hatten, da zog uns dieser Cache plötzlich doch in seinen Bann. Also wurden schnell die Taschenlampen ausgegeben, die PMR-Funken angestellt, und wieder die Stiefel geschnürt. Doch dann gleich der erste Schock: Uschiih wollte nicht mehr mit! Die Tragweite dieses herben Rückschlags kann nur begreifen, wer weiß, dass Uschiih der absolute Joker an aussichtslosen Stationen ist. Nun ja, als Humanist zwingt man natürlich niemanden - auch nicht die eigene, bessere Hälfte - hinaus in eine regnersiche, kalte Nacht. […]