geocaching fein serviert

Geocaching mit polizeilicher Genehmigung

mity! | 04.03.2007 17:53 Uhr | Kommentare: 2 | Kommentar hinterlassen
Einsortiert in Geocacher

Vor ein paar Tagen bin ich darüber gestolpert, dass etliche der von mir in London gefundenen Geocaches archiviert sind. Nanu, was ist denn da los? :shock:

Schnell zeigte sich, dass offenbar eine Vielzahl von Caches in London durch die zuständigen Reviewer archiviert wurde mit dem Hinweis, dass diese Caches aus gegebenem Anlass nicht gesucht werden dürften, bevor die jeweiligen Owner detaillierte Informationen über ihre Verstecke bereitstellen:

Log der Archivierung

Es waren also zwei Geocacher in einem londoner Park (ich vermute im St.-James-Park nahe des Buckingham Palace) von der Polizei aufgegriffen worden, weil sie sich dort “verdächtig” verhielten. Offenbar konnten die beiden das Mißverständnis aufklären, indem sie die Polizisten über ihr Tun und über Geocaching im Allgemeinen informierten.

Aufgeschreckt durch diese Offenbarungen und die plötzliche Erkenntnis, dass da Dutzende, wenn nicht Hunderte von dubiosen Behältnissen in der Stadt versteckt sind, nahm die ‘Specialist Search Unit of the Metropolitan Police Force’ Kontakt mit der Vereinigung der britischen Geocacher, der ‘Geocaching Association of Great Britain’, auf. Seitens der Polizei wurden dabei sicherlich Szenarien von Festnahmen verdächtig herumschleichenden Gestalten und von ausgelösten Bombenalarmen gezeichnet. :roll:

Bei den folgenden Gesprächen zwischen der Polizei und der britischen Geocacher-Vereinigung sowie britischen Reviewern hat man sich schließlich auf einige Sonder-Regelungen für Geocaches in “sensiblen” Bereichen geeinigt. Gemäß dieser Vereinbarung müssen Geocaches in den (Regierungs-) Bezirken Whitehall und Westminster unter anderem folgende Bedingungen erfüllen:

  • Der Behälter muss klar erkennbar als Geocache gekennzeichnet sein.
  • In der Cache-Beschreibung muss eine vordefinierte Formulierung stehen, dass sich dieser Cache in einem polizeilich besonders beobachteten Bereich befindet, Geocacher es vermeiden sollen, sich bei der Suche verdächtig zu verhalten, und gegebenenfalls auf Befragung Geocaching erklären sollen.
  • Eine genaue Beschreibung des Behälters, seines Verstecks und ein Foto davon muss den Reviewern übergeben werden.

Verantwortlich für die Durchsetzung dieser Regeln sind die britischen Reviewer. Diese haben sich auch verpflichtet, der ‘Search Unit of the Metropolitan Police Force’ eine Karte der Geocaches in den betroffenen Bereichen und die oben aufgeführten Details zu den einzelnen Geocaches bereitzustellen und aktuell zu halten.

Die Reviewer haben daraufhin dann eben erst mal alle betroffenen Caches mit der obigen Mitteilung archiviert, bis die Owner die geforderten Informationen abgeben.

Und was soll man nun davon halten?

PoliceNatürlich lassen zusätzliche und restriktive Regularien bei uns Geocachern nicht gerade Freude aufkommen. Schließlich geht man ja einer eher konspirativen (oder gar: subversiven? :wink: ) Beschäftigung nach und möchte da niemandem (und schon gar keiner Obrigkeit) “Berichte” vorlegen. Zudem könnte die eine oder andere Versteck-Idee streng genommen oder böswillig betrachtet auch als Sachbeschädigung gewertet werden… Dass auch nicht alle britischen Geocacher begeistert sind, mag man daran erkennen, dass aufgrund der aktuellen Situation auch so manch anderer Geocache in London von den Ownern archiviert wurde.

Fraglich ist auch, mit welchen “Konsequenzen” die Cache-Owner oder Reviewer zu rechnen hätten, wenn Caches zum Beispiel von einem Finder anders versteckt werden und es doch zu Problemen kommt. Letztendlich handelt es sich doch um eine Good-Will-Aktion der britischen Geocacher-Vereinigung, denn (vorausgesetzt alle Geocaches entsprechen den allgemeinen Geocaching-Richtlinien) mit welcher Begründung sollte das Legen oder Suchen von Geocaches polizeilich verboten werden?

Auf der anderen Seite wissen wir natürlich auch, dass (auch hier in Deutschland) schon die eine oder andere Polizei-Aktion durch Geocaches ausgelöst wurde. Und in Berlin gab es gerade den Fall, dass zwei Geocacher nach erfolgloser Suche auf einem stillgelegten Bahngelände als vermeintliche Buntmetall-Diebe festgenommen wurden.

Vielleicht ist eine solche Vereinbarung ja doch eine - zumindest in einigen Bereichen - sinnvolle Maßnahme, um Owner und Suchende vor unliebsamen Überraschungen zu schützen. Gerade auch vor dem Hintergrund, dass Geocaching - machen wir uns nichts vor - zu einer “Breitenbewegung” :twisted: geworden ist. Grundsätzlich kann es nur gut sein, wenn Geocaching bei der Polizei nicht nur ein englisches Fremdwort ist…

Was denkt ihr?

Dieser Eintrag bezieht sich auf die folgenden Geo-Daten:
Koordinaten: N51° 30.072' W00° 8.514'
Finde die nächsten Geocaches um die Koordinaten

2 Kommentare zu “Geocaching mit polizeilicher Genehmigung”

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