Während meine Cache-Test-Dummies-Kollegen hier reichlich Pressearbeit verrichtet haben, ist es um mich ein bißchen still geworden. Aber ich hatte mich ja (natürlich stilecht im Geocache „Welcome & Goodbye Airport Berlin Schönefeld“) für drei Wochen abgemeldet. Denn Urlaub war angesagt und zwar in Island. Und um hier mal vorweg keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Island ist selbstverständlich keine Geocacher-Katastrophe. Ganz und gar nicht. Die Katastrophe habe ich voll und ganz selbst zu verantworten. Aber dazu gleich mehr.
Ein halbes Jahr lang haben wir Prospekte gewälzt, Karten studiert und Reiseführer gelesen. Und dann sind wir für drei Wochen auf diese Insel geflogen, die damit beworben wird, aus Feuer und Eis gemacht zu sein. Eine Inselumrundung mit Mietwagen stand auf unserem Programm – und natürlich auch einige Geocaches…
Rund 80 Geocaches gibt es in Island. Klingt viel. Allerdings hat Island auch ungefähr die Größe der ehemaligen DDR. Damit relativiert sich die Anzahl dann wieder. Wenn man nun aber bedenkt, dass es etwa 300.000 Isländer gibt (das entspricht der Einwohnerzahl von Neukölln – oder für die Nicht-Berliner unter unseren Lesern: Mannheim), dann ist es doch wieder recht beachtlich.
Einer unserer ersten Caches, nachdem wir Reykjavik hinter uns gelassen haben, ist nur durch eine spannende Wanderung erreichbar. Diese führt uns am Ende des Walfjordes über eine Bergflanke zu einem Hochplateau mit Blick auf Islands höchsten Wasserfall Glymur. Aber dann wird es erst so richtig spannend. Der Fluss oberhalb des Wasserfalls muss an einer Furt durchquert werden. Also Wanderstiefel aus, Bade-Sandalen an, Hose hochgekrempelt und dann ab ins eiskalte Wasser. Toll! Auf der anderen Seite steigen wir dann über abenteuerliche und steile Pfade wieder hinab, wobei wir hinter jeder Ecke einen anderen spektakulären Blick auf Wasserfall und die ausgewaschene Schlucht haben. Und auf halber Höhe liegt dann auch der Cache zur Wanderung. Solche Locations bleiben einem einfach in Erinnerung!
Am fünften Tag unserer Reise wollen wir abends trotz des permanenten Regens noch eine kleine Wanderung entlang der Küste machen. Also habe ich mir den GPSr an den Rucksack geclipst, Kapuze tief ins Gesicht gezogen und los. Nach ein paar Metern über eine regennasse Schotterpiste stutze ich. Da stimmt doch irgendwas nicht. Während ein Auto an mir vorbeifährt, durchstöbere ich meine Jacken und Hosentaschen. Wo habe ich denn den GPSr hingesteckt? Unruhe wallt auf. Ich drehe mich um und sehen ihn in einer Pfütze liegen. Oh weh, er war nicht richtig in den Clip eingerastet. Schnell drei Schritte zurück und… Neeeeiiin! Das Auto ist genau drüber gefahren (so abstrus wie das in dieser einsamen Gegend auch ist). Ergebnis: Ein Totalschaden, das Display ist hin. Die Geocacher-Katastrophe ist da.
Aber nicht nur das. Auf dem Gerät hatten wir eine zum Autofahren sehr hilfreiche Islandkarte (unter anderem mit allen Tankstellen). Alle Einstiegspunkte für geplante Wanderungen und unsere Quartiere waren als Wegpunkte programmiert. F***! Da verblasst der reine materielle Schaden schnell.
Ich bin im Nachhinein nur froh, dass ich mir im Vorfeld die Mühe gemacht hatte, alle diese Wegpunkte auch auf einer Papierkarte einzutragen (ist sonst nicht meine Art, auf Karten rumzumalen). Fortan navigieren wir also klassisch mit Papierkarte, Kompass und Entfernungsmesser. Das hat ja auch wieder einen gewissen Charme.
Aber den Geocaching-Entzug halte ich dann doch nur drei Tage durch. Beim Vorbeifahren an zwei Caches macht sich zuerst nur leichtes Händezittern bemerkbar. Aber als wir dann in unserem nächsten Hotel freien Internet-Zugang haben und ich feststellen muss, dass unweit des Hotels ein neuer Cache liegt und auf seinen Erstfund wartet, da verliere ich die Nerven. Ein Ersatz muss her! Als wir auf unserer nächsten Wanderung auf einem Berggipfel einen Einwohner des Ortes treffen, frage ich ihn direkt nach einer Möglichkeit an ein GPS zu kommen. Und bekomme nach einigem Stirnrunzeln den Weg zu einem Schiffsausstatter beschrieben. Und tatsächlich bekomme ich da einen Geko zu einem vertretbaren Preis.
Und so komme ich am nächsten Morgen an der University of Akureyri zu dem wohl teuersten Erstfund meines Lebens. Und der kleine Geko schlägt sich ganz wacker. Noch weitere 18 Geocaches werden wir in den nächsten Tagen in Island zusammen finden.
Für uns geht es dann weiter in die Mývatn-Region. Hier gibt es zwar recht wenig Caches, dafür aber spektakuläre Landschaft, die auf den Vulkanismus zurückgeht: Hohe Vulkane, grüne Pseudokrater, 200m hohe Ascheringe, bizarre Lavaformationen, zischende und fauchende Solfatare und heiße Quellen. Einfach beeindruckend. Obwohl ich hier die ganze Zeit das Gefühl nicht loswerde, über einen schlafenden Drachen zu wandeln.
Am Zugang zum Geocache „Lava-Fall“ begegnen uns dann zwei Wanderer. Bei einem fällt mir sofort der am Rucksack hängende GPSr auf. Na das werden doch nicht auch…? Eine halbe Stunde später am Cache ist es Gewissheit. Das war ‘team_BAFL’ aus Österreich. Wir hätten doch mal kurz Hallo sagen sollen. Denn die Logeinträge von ‘team_BAFL’ werden wir in den nächsten Tagen noch häufiger zu sehen bekommen (und sie die unsrigen). Offenbar sind wir zeitgleich bei der Umrundung der Insel, nur in entgegengesetzten Richtungen.
Wir setzen unsere Reise fort in Richtung der Ostfjorde, wo uns endlich wieder die Sonne und blauer Himmel erwarten. Uns stehen fast die Tränen in den Augen, als wir wieder Fernblick, leuchtende Farben und scharfe Kontraste erblicken. Oder liegt das doch nur am stechenden Wind, der nun von den Bergen fegt?
Dann führt uns die Ringstraße weiter zum Rand des Vatnajökull. Anfangs sehen wir nur einzelne Gletscherzungen. Aber so nach und nach wird uns das immense Ausmaß dieses Gletschers bewusst. Unvorstellbar. Natürlich sind wir auch am Gletschersee Jökulsárlón, in dem riesige, blau schimmernde Eisberge treiben. Und in dem sich zu unserer Begeisterung Robben tummeln.
Hier alle Eindrücke, alle Caches, aller Erlebnisse wiedergeben zu wollen, würde jeden Rahmen sprengen. So ist mein Reisetagebuch in den drei Wochen auf über hundert Seiten angeschwollen.
Gegen Ende unserer Rundtour führt uns der Cache „Walking with the vikings“ an die Stätte des tausend Jahre alten isländischen Parlaments, nach Þingvellir. Wohl nirgendwo sonst ist das Auseinanderdriften der Kontinentalplatten greifbarer zu erleben. Hier kann man sozusagen mit einem Fuß auf der europäischen und mit dem anderen auf der nordamerikanischen Platte stehen, die sich hier pro Jahr um etwa 1cm voneinander entfernen. Trotz des heftigen Regens absolvieren wir hier erst mal eine zweistündige Wanderung. Wir sind nass bis auf die Knochen als wir uns schließlich dem Cache von Osten kommend nähern. 20 Meter vor dem Cache müssen wir dann aber einsehen, dass wir auf der falschen Kontinentalplatte stehen. Eine fünf Meter tiefe Schlucht mit leuchtend blauem Wasser liegt vor uns. Erst ein weiterer Umweg führt uns auf eine nur wenige Meter breite Landzunge zwischen zwei klaffenden Schluchten. Grandios! (Die Schuhe brauchen allerdings noch drei Tage, bis sie wieder trocken sind.)
Und was kann man jetzt als Fazit unter diese Reise setzen? Was ist beim Caching in Island anders als zu Hause?
Zuerst mal ist Island ein spannendes Urlaubsziel mit aufregender Landschaft. Wo sonst kann man schon hautnah beobachten, was passiert, wenn zwei Kontinentalplatten auseinanderdriften? Mich haben gerade diese Geothermalgebiete mit ihren heißen Quellen und dampfenden Schloten beeindruckt. Aber auch die riesigen Gletscher, die blauen Fjorde, das grüne Moos auf schwarzer und roter Lava… Die Landschaft ist einfach atemberaubend (was manchmal aber auch am Geruch nach faulen Eiern liegt, der aus der Erde dringt
).
Geocaches auf Island sind anders als zu Hause. Man könnte fast sagen, dass es hier noch good oldfashioned Geocaching gibt. Fast alle Caches sind Traditional Caches. Und die Verstecke, die wir gesehen haben, waren recht schlicht. In dieser Landschaft machen ein paar Steine halt schon ein Versteck aus. Hier ist kein Spezialequipment gefragt, die Magnet-Angel und die UV-Lampe können getrost zu Hause bleiben. Es steht das Naturerlebnis und der Ort des Caches im Mittelpunkt. Und das macht auch mal wieder Spaß. Dafür gibt es dann aber auch ein paar Caches, die man sich wirklich hart erwandern oder aber mit Geländewagen erarbeiten muss.
Zum Schluß noch ein paar praktische Informationen, kurz zusammengefasst.
Einen sehr schönen Überblick und viele Infos findet man bei ourFootprints. Eine wirklich tolle Seite zum Stöbern und zum Vorbereiten. Hier gibt es auch eine grandiose Islandkarte für kartenfähige Garmin-Geräte. Es ist absolut überwältigend, was hier als Freeware auf die Beine gestellt wurde.
Hier ist eine Liste mit den Geocaches in Island.
Internetzugang gibt es in größeren Orten. Manchmal in Hotels, der Touristeninfo oder sogar in Tankstellen. In der Regel werden aber recht üppige Preise dafür verlangt (3 Euro für eine Viertelstunde waren keine Seltenheit). Es ließ sich aber beobachten, dass gerade in Cafés sehr häufig freier WLAN-Zugang existierte. (Wir kamen uns schon völlig underdressed vor, wenn wir mal wieder ohne ein Notebook ein Café betraten. Auf fast allen Tischen stand eines - meist auch noch mit Apfel-Logo…
)
Tja, und ansonsten? Bei der Planung sollte man Fahrtstrecken nicht unterschätzen. 40km auf einer Piste können schon mal eine Stunde in Anspruch nehmen – von dauernden Fotostopps mal ganz abgesehen. Regen- und Badesachen gehören immer ins Marschgepäck: Man weiß nie, wann man durch einen Schauer oder einen Hot Pot überrascht wird. (Im Ernst: Jeder noch so kleine Ort hat ein tolles, warmes Schwimmbad.) Na und ein Handtuch hat ein ordentlicher Hitchhiker ja eh immer dabei, oder?


am 31.08.2007 um 18:12 Uhr :
[…] “mity!” von den Cache-Test-Dummies war in Island unterwegs. […]
am 18.09.2007 um 15:03 Uhr :
Prima Urlaubsbericht! Liest sich, wie Deine Logs immer wieder spannend. Du solltest mal ein Buch schreiben.
Gruß Nofretete
am 18.09.2007 um 15:16 Uhr :
Vielen Dank für die Blumen…
Vielleicht wäre ein Buch ja die Möglichkeit, meinen immensen GPSr-Verschleiß finanziell irgendwie aufzufangen.
Na, ich lese zum Üben jetzt erst mal das Buch unseres lieben Cacher-Kollegen Dracou…
am 18.09.2007 um 22:13 Uhr :
Nachdem wir in deinem Bericht erwähnt werden *rotwerd* schauen wir mal vorbei. Echt gut geschrieben dein Bericht und treffend… Dass du uns mit deinem neuen Geko den FTF weggeschnappt hast, sei dir auf Grund der Ausgaben noch einmal verziehen
Und zu unserer Begnung der anderen Art: natürlich seid ihr uns auch “verdächtig” vorgekommen, aber bei euch war kein GPSr erkennbar…
lg
team_BAFL
am 18.09.2007 um 23:51 Uhr :
Nun ja, der Geko hatte sich mit Blick auf den Euren 60er verschämt in eine Jackentasche zurückgezogen…
Dabei hat der das gar nicht nötig. Eigentlich war der Plan ja, ihn gleich nach dem Urlaub mit möglichst wenig Verlust zu verticken. Aber nach 18 isländischen Caches sind wir echt dicke Freunde geworden. Und selbst ‘Uschiih’ möchte jetzt bei der Suche immer den Kleinen dabei haben.
Jedenfalls habe ich mich im Nachhinein auch schon geärgert, dass wir da nicht ins Plauschen gekommen sind. Hätte mir eigentlich klar sein müssen, dass ihr Geocacher seid.
So haben wir ab diesem Tag immer nur Euren Stempel gesehen…
Also, ebenfalls “lg” nach Österreich!
am 20.09.2007 um 13:10 Uhr :
Kann mich von meinem Geko 301 irgendwie auch nicht trennen. Ist halt ein GPSr zum wirklich immer dabeihaben, falls man mal ganz spontan…
Du könnest den 60er begraben in Form eines Caches: “Hier ruht…”
am 26.09.2007 um 19:56 Uhr :
[…] Wie ich ja berichtet hatte, gab es bei mir vor ein paar Wochen ein kleines Missgeschick, dem mein Garmin GPSMAP 60CSx zum Opfer gefallen war. Kurz zusammengefasst musste ich feststellen, dass das Gerät einen Sturz auf schottrigem Untergrund und anschließendes Überrollt-Werden duch einen PKW mit einem zerborstenen Display quittiert. Wieder zu Hause hatte ich beschlossen, mal in Erfahrung zu bringen, was eine Reparatur kosten würde. […]
am 21.05.2008 um 14:48 Uhr :
toller Bericht… das ist eine gute Einstimmung für meinen diesjährigen Islandaufenthalt. Die Links werden sicherlich hilfreich sein. Das hört sich alles ganz hervorragend abenteuerlich an. (schade aber um das schöne GPS)
Grüße wegaworld