geocaching fein serviert

mity!s Kleine Korsika Fibel II

mity! | 27.08.2009 22:14 Uhr | Kommentare: 1 | Kommentar hinterlassen
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Wenn mity! eine Reise tut, dann kann er was erzählen…

Und auch schreiben. Nun war ich also für drei Wochen auf Korsika. Und wollte hier natürlich kurz berichten, was es da zu erleben gab. Naja, beim Schreiben musste ich feststellen, dass ich alte Plaudertasche mich natürlich nicht kurz fassen kann. Also ist ‘ne kleine, vielleicht lehrreiche Serie draus geworden. In der zweiten Folge bin ich…

Auf der Suche

Mystisches

Erste Lektion: Das Angebot ist überschaubar.

Jedenfalls musste ich dies bereits bei meiner Vorbereitung erkennen. Klar, als Berliner ist man gewohnt, dass man den GPSr schon gar nicht mehr anwerfen muss, sondern einfach mal so auf Verdacht unter Telefonzellenablagen oder hinter Regenrinnen am Wegesrand greift und bei jedem zweiten Mal eine Filmdose in der Hand hält. Aber auf Korsika, immerhin ja halb so groß wie Schleswig-Holstein, gab es zur Zeit meines Urlaubs im Herbst 2008 insgesamt nur recht überschaubare 38 Caches. (Eine aktuelle Nach-Recherche im August 2009 erbrachte eine Zählung von nun 50 Caches.)

Das sollte sicherlich reichen, um einen dreiwöchigen Urlaub zu füllen, dachte ich. Aber klar: Das ist kein Revier für Punkte-Jäger. Denn der eine oder andere Cache ist nur mit Boot oder im Rahmen einer mehrtägigen Wanderung zu erreichen. Ja, sowas gibt es hier.

Nun ja, um es vorweg zu nehmen: Es gab so Tage, da war ich schon ganz schön auf Entzug. In den drei Wochen meines Urlaubs habe ich sage und schreibe acht Caches gefunden…

Waren sie denn wenigstens schön? Na, Urlaubs-Caches sind doch irgendwie immer schön. Eine unbekannte Umgebung, vieles, was es zu entdecken gibt, die Freude über einen neuen Ausblick. Da reicht auch schon eine Filmdose in einer Felsritze. Aber: Ja, es waren schöne Caches dabei.

Turm mit AussichtVon einer erholsamen Aussichtsberg-Besteigung am Rande einer langen Autofahrt entlang der Westküste, über eine versteckte, kleine Kapellen-Ruine nahe Nonza, bis zu einer traumhaften Wanderung zum Aussichtsturm auf dem Capu Rosso konnten wir viel Schönes erleben. Unter anderem fanden wir so eine traumhafte und völlig einsame, in den Fels gehauene Aussichtsplattform nur wenige Dutzend Meter abseits einer Haltebucht, wo busladungsweise andere Touristen ihr Foto von einem löwenähnlichen Felsen knipsten.

Besonders hübsch war aber die Anekdote, die wir am Cache Die Schatzinsel erlebten. Bei einer Wanderrast kurz zuvor hatten Uschiih und ich ein junges Tramper-Pärchen aus Frankfurt kennengelernt, und ihnen angeboten, sie bis in den nächsten größeren Ort im Auto mitzunehmen. Nur lag genau auf dieser Strecke noch der erwähnte Cache. Mir kam in den Sinn, was das jetzt wohl auf die beiden für einen Eindruck macht, wenn wir nach wenigen Kilometern plötzich von der Straße abbiegen und mitten im dichtesten Wald anhalten… Also fing ich vorab mit einer harmlosen, weitgreifenden Erklärung an. „Also, ich hab’ da so ein etwas ausgefallenes Hobby…“ Keine ganz gelungene Eröffnung, wie mir sofort klar wurde. „Äh, hättet ihr noch ein paar Minuten Zeit unterwegs?“ Oh je, ich ritt mich ja immer tiefer rein. Also platzte ich raus: „Die Sache ist die, ich suche nämlich Tupperdosen im Wald.“ Die Reaktion verblüffte mich. „Ach so, Geocaching, oder? Wir sind gestern bei zwei Tschechen mitgefahren, die haben das auch schon mit uns gemacht.“ Cool. Und so haben wir dann zu viert den verräterischen Baum der Schatzinsel gesucht und hatten unseren Spaß.

Zweite Lektion: Die Alternative ist rätselhaft.

Wie ich bereits recht ausführlich bei den Dosenfischern berichtete, sind bei den Franzosen offenbar statt der Geocaches die „Cistes“ recht populär. Immerhin gibt es davon auf der Insel etwa 280 Stück. Wie die Cistes funktionieren ist mir bis heute ein Mysterium. Grundsätzlich sind die Cistes so eine Art Letterboxing (also leider, leider ohne GPS), wobei sich mir standhaft die Erkenntnis entzog, wie man Cistes sinnvoll suchen kann. Denn allein schon auf der zugehörigen Internetseite kann man die Suche örtlich bestenfalls auf Département-Ebene einschränken. Und die Beschreibungen (nicht ganz grundlos als „l’énigme“ bezeichnet), die ich dann fand (und zugegebenermaßen recht radebrechend übersetzte) waren mehr als dürftig. Wie man beispielsweise auf einem Küstenabschnitt von mehr als 50 Kilometern Länge den schon bei den Dosenfischern erwähnten auffälligen Erdbeerbaum finden soll, ist mir in der Tat ein Rätsel geblieben.

VersteckWas mich dann aber doch nicht davon abhielt, zwei Zufallsfunde zu landen. Naja, so zufällig waren sie natürlich nicht. Ich hatte zwar in der Tat keine Ahnung von ihrer Existenz. Aber vor Ort funktionierte das in beiden Fällen so: „Mensch, so ein spannender Ort. Hier könnte man doch so schön einen Cache legen. Zum Beispiel hier, hinter diesen losen Stein… Oh, da liegt ja schon was!

Viel aufwändiger, als diese beiden Dosen auf Korsika zu finden, stellte es sich dann übrigens heraus, im Internet herauszubekommen, welche Cistes ich denn da überhaupt gefunden hatte. Das beschäftigte mich nach dem Urlaub dann noch mal mehr als zwei Stunden lang…

Dritte Lektion: Entdecken ohne zu suchen.

KapelleZufallsfunde habe ich also schon bei den Cistes gemacht. Doch die wahre Entdeckung für mich war, dass Korsika nicht nur grandiose und extrem abwechslungsreiche Landschaft zu bieten hat (von idyllischen Sandstränden bis zu alpinen Gipfeln, von der undurchdringlichen aber betörend duftenden Macchia bis zu rauschhaft impressionistisch geformten Felsformationen) sondern ein regelrechtes Lost-Place-Eldorado ist.

Die vielen, vielen Genuesertürme sind ja bekannt. Aber es gibt auch unzählige, verlassene und halbverfallene Kapellen auf dieser Insel. Da sind Klosterruinen in den Bergen, und verfallene Bergerien (sowas wie Senn-Hütten) findet man auf fast jeder Wanderung. Im Norden stießen wir auf einen riesigen, seit Jahrzehnten leerstehenden Industriekomplex, in dem - heute liest man es mit einem gewissen Gruseln - Asbest abgebaut und verarbeitet wurde.

Ein Highlight entdeckten wir dank eines Tipps unserer netten Gastgeber in der Castagniccia: Nur auf einer mehrstündigen Wanderung zu erreichen, liegen dort in einem engen Tal gleich zwei komplette, verlassene Dörfer. Wirklich ein ganz besonderer Ort! Manche Häuser halb enigestürzt, in anderen sah es aus, als seien die Bewohner nur mal kurz weg. Wir konnten gar nicht genug davon bekommen.

VerliesTja, und dann stellte es sich auch endlich mal als Glücksfall heraus, dass der Garmin uns mit unserem Gefährt über nicht immer den allerbesten Weg schickte. Jedenfalls fuhren wir auf dem Weg zum Capu Muro über eine anstrengende (aber idyllische) Serpentinenpiste, als wir plötzlich inmitten imposanter Steingebäude und zum Teil riesiger Fundamente zum Stehen kamen. Was ist das denn? Merkwürdige, finstere Gemäuer, stickige Gewölbe, riesige, fensterlose Hallen. Später erfuhren wir es: Wir hatten durch Zufall die Reste eines Sträflingslagers aus dem vor-vorigen Jahrhundert entdeckt. Gespentisch.

Man möchte meinen, auf dieser Insel gibt es noch so einiges Potential für ein paar Lost-Place Caches. :wink: Entdeckungen gibt es jedefalls genug zu machen…

mity!s Kleine Korsika Fibel

Dieser Eintrag bezieht sich auf die folgenden Geo-Daten:
Caches: GCXR3N, GC12ZHZ, GC18559, GC170Q6, GC1C17T

Ein Kommentar zu “mity!s Kleine Korsika Fibel II”

  • #1

    Vielen Dank für die kurze Vorstellung. Ich fahr in drei Wochen und fang langsam an den Urlaub druchzuplanen. Da kam dein Artikel gerade recht!

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