geocaching fein serviert

Qualitätscaches - Ein Nachruf

mity! | 22.03.2010 10:30 Uhr | Kommentare: 11 | Kommentar hinterlassen
Einsortiert in Besondere Caches

In der nächsten Zeit werde ich wohl mit einer schwarzen Armbinde (statt der üblichen gelben mit den drei Punkten) auf Cache-Suche gehen.

Trauer und Verzweiflung

Warum? Na, lest selbst:

Als ich vorhin das Logbuch tauschen wollte, dachte ich, mich trifft der Schlag: 60 Jahre Kriegsende, russische Nutzung und Abenteuerspielplatzkiddies haben dem Versteckobjekt nichts angehabt. Ein dreiviertel Jahr Geocacherterror haben den gemauerten Sockel an der Vorderseite bis auf den Erdboden abgetragen. So nicht Leute!

Indiskrete Sucherei und Geheimnisverrat an jeden vorbeikommenden Muggel, Legasthenielogs und Coinklau, Downtrading und überhaupt der ganze Schlendrian am Cache sind ja schon eine ganze Zeitlang ein ständiger Quell des Ärgernisses. Bisher haben wir das mißbilligend in Kauf genommen - Geocaching ist inzwischen einfach ein Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft. Aber die zunehmende Zerstörungswut an den Versteckobjekten und der Natur drumherum können wir nicht gutheißen. Darum packen wir jetzt zusammen. Heute hier und demnächst an unseren anderen Dosen.

Sagt Glurak. Und archiviert mit diesem Log seinen beförderten Kommandanten aus der Fliegeralarm-Serie. Und lässt mich hier vor dem Bildschirm sitzen, während sich langsam Tränen ihren Weg über meine Wangen suchen.

Vom ersten Fund an, haben mich die Caches von Glurak verzaubert. Jeder einzelne führte mich an überraschende Orte vor den Toren Berlins. Manchmal augenzwinkernd, oft mit nachdenklichen Rahmenhandlungen. Vielen dieser Caches war anzumerken, dass da profunde Ortskenntnis auf tiefgründige Recherchen trafen. Und dabei nicht lehrmeisterlich daher kamen sondern immer spannend waren. Eigentlich ein eigenes Genre: Cache-Faction. In diesen Caches steckte neben viel Arbeit oft sicher viel Herzblut.

Umso mehr kann ich natürlich Frust, Ärger und Wut verstehen. Über argloses Verhalten (“Warum darauf achten, nicht gesehen zu werden? Ich suche doch einen ‘offiziellen’ Geocache!”) im einfachsten Fall bis zu Brechstangen-Vorgehen im schlimmsten.

Schon oft habe auch ich vor den “Ruinen eines Verstecks” gestanden und gedacht: Wer macht sowas? Mit wieviel kopfloser Gewalt muss man vorgehen, um halbe Wände einzureißen, Baumstümpfe komplett zu entwurzeln, ganze Hänge abzutragen? Selbst bei meiner kleinen Pille-Palle-Dose muss ich alle halbe Jahr Reperaturen vornehmen, bei denen ich mich Frage: Wie kann sowas kaputt gehen? (Wetterfeste Drachenschüre für 50kg Zuglast durchgerissen, inzwischen 5 Filmdosen beim Bergen zertrümmert usw.)

Aber dann kenne ich durchaus auch “die andere Seite”. Mir selbst ist schon an einem historischen Gemäuer ein Stein aus einer Wand gebrochen. (Als Entschuldigung vor mir selbst möchte ich anmerken, dass es an dieser Stelle vom Owner vielleicht auch nicht ganz klug war, die Dose in 3,50m Höhe in einer Ritze zu verstecken, also Suchende zum Klettern geradezu aufzufordern.) Aber es ist eben so, dass, wenn 49 Cacher mal probiert haben, ob ein Stein in einer Mauer vielleicht lose ist, dann ist er es beim 50. auch.

Bleibt nur die “Mahnung” (durchaus auch als Selbstkritik), das eigene Tun zu bedenken. (Soll heißen: Vor dem Krafteinsatz den Kopf einschalten!) Das gilt ganz besonders für die Suche. Aber wohl auch für das Verstecken. Man kann offenbar nicht darauf vertrauen, dass sich jeder Suchende die Zeit nimmt, irgendwelche Raffinessen eines Verstecks oder seiner Tarnung zu begreifen, sondern im Zweifelsfall einfach nur noch an die Dose will. Und man muss bedenken, dass gerade im Bereich einer Cacher-Metropole wie Berlin in den ersten Tagen 20, 30 Cacher einen Pfad zur Dose trampeln, dass man mit durchaus mehr als 100 Besuchern pro Jahr rechnen muss. Das schließt dann leider manches schöne Versteck aus. Schade. Sehr schade.

Glurak, Deine Caches werden mir fehlen! :sad:

Dieser Eintrag bezieht sich auf die folgenden Geo-Daten:
Caches: GC1QBWR

11 Kommentare zu “Qualitätscaches - Ein Nachruf”

  • #1
    Avatar stefan aka fein meinte

    Volle Zustimmung.

    Ich bin auch schon am Überlegen einen Petling in meinem Garten zu verstecken und eine Coin als Belohnung für den FTF reinzupacken.
    Damit würde ich mir wohl das umgraben sparen!

    Gruß aus dem zweitschönsten Bundesland der Welt,
    Stefan

  • #2

    Full ack!

    Sowas liest man neuerdings häufiger. Auch in Bayern/Franken wurden etliche schöne Dosen aus diesen und ähnlichen Gründen archiviert.

    Schade!

    Grüße aus Hamburg,
    Annett

  • #3
    Avatar glurak meinte

    Panta rhei
    Alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln
    So ist das auch mit dem Geocaching. In der kurzen Zeit, die wir dabei sind hat es sich von der konspirativen Freizeitbeschäftigung einiger Freaks zu einem veritablen Massensport entwickelt. Im Gefolge die sattsam bekannten Probleme und Ärgernisse die schon zuhauf in Foren, Blogs und bei Stammtischen mit teilweise fanatischer Vehemenz diskutiert wurden. Darum werde ich hier nicht nochmals alles aufrollen oder werten und urteilen.

    Das Recherchieren von historischen Fakten und die Suche und Präsentation der dazu gehörigen Orte macht mir großen Spaß. Auf der anderen Seite ärgert mich die Ignoranz, die für einen schnellen Erfolg bei der Dosensuche jegliche Rücksichtnahme auf Konspiration und Umwelt beiseite schiebt. Eine klassische Waage-Situation also. Und inzwischen überwiegt der Ärger - was für ein Hobby nicht akzeptabel ist.

    Panta rhei - Geocaching hat sich verändert, ich konnte es nicht. Danke an alle Freunde, bekannte und unbekannte Cacher die uns mit Ihren bildhaften, lustigen und manchmal zu Herzen gehenden Logs, mit Ideenvorlagen und technischer Unterstützung den Treibstoff für unsere Caches geliefert haben.

    Es grüßt, der glurak

  • #4

    Kommt sowas überraschend? Nein, das kann man wohl nicht behaupten bei der Betrachtung der Entwicklung. Sicher ist er nicht der erste, der überlegt hat. Traurig? Sehr. Verständlich? Mindestens ebenso…
    Ich bin inzwischen in den “Abwarten-und-hoffen”-Status verfallen… Abwarten, wie die Entwicklung weitergeht - gibt es bald nur noch Mikrotradischwemme, weil alle anderen aufgeben oder flaut vorher das Interesse der Allgemeinheit ab? - und hoffen, dass es zweiteres sein wird…

  • #5
    Avatar Sushi_bb meinte

    Wirklich Schade. An einen Sockel kann ich mich selbst auch nicht mehr entsinnen, als wir diesen Cache letztens endlich Schneefrei finden und loggen konnten. Hier kommt mir aber auch wieder der Fred aus dem grünen Forum in den Sinn, der Hints und deren Nutzung bespricht. Bei vielen Caches erlebe ich es immer wieder, dass der Owner sich nicht die Mühe macht, mit dem Hint einen sinnvollen Anstoß zu geben, sondern nichts oder ‘Kein Hint’ reinschreibt. So ist es dann natürlich klar, dass man (im Zweifel nach längerer Anfahrt) nicht unverrichteter Dinge wieder abziehen will, sondern lieber mal einen Stein mehr umdreht. Da muss sich Owner wie Cacher an die Nase fassen.

    Ich hoffe und denke auch eher, dass die Mode vorrüberziehen wird. Und dann schauen wir mal was noch bleibt…

  • #6

    @glurak: So schade wie ich das finde, ich kann Dich da voll und ganz verstehen. Schade nur, das Du OC nicht magst, denn anderenfalls könnten Deine Dosen sonst “OC only” weiterleben, dann sind sie nicht so enorm überlaufen und vor allem kommen interessierte Geocacher anstelle von Punktejägern vorbei…

  • #7

    […] Werden die aufwendigen und schönen Caches irgendwann von lieblosem Schrott verdrängt sein, oder sind das hier traurige Einzelfälle? …Indiskrete Sucherei und Geheimnisverrat an jeden vorbeikommenden Muggel, Legasthenielogs und Coinklau, Downtrading und überhaupt der ganze Schlendrian am Cache sind ja schon eine ganze Zeitlang ein ständiger Quell des Ärgernisses. Bisher haben wir das mißbilligend in Kauf genommen – Geocaching ist inzwischen einfach ein Querschnitt durch die gesamte Gesellschaft. Aber die zunehmende Zerstörungswut an den Versteckobjekten und der Natur drumherum können wir nicht gutheißen. Darum packen wir jetzt zusammen… […]

  • #8
    Avatar Chorknabe meinte

    Unbedachtes und grobmotorisches cachen hat mittlerweile in erschreckendem Maße zugenommen. Ich habe aktuell 24 Caches vor allem in Frankfurt (Oder)liegen, die meisten davon haben eine von mir gebastelte “Verpackung”. Mittlerweile habe ich beschlossen, nicht mehr als 25 aktive Caches zu legen. Ich schaffe es einfach nicht mehr, diese Caches zu warten. Standortwechsel, beschädigte/zerstörte Halterungen, fehlende Abdeckungen, Zugriffe unter Muggelbeobachtung sind nur einige Ärgernisse.
    Besonders schlimm ist es, wenn Cacher in Frankfurt (Oder) einfallen, die in kürzester Zeit die maximale Punktausbeute anstreben. Dann bin ich stundenlang mit Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten beschäftigt.
    Wenn sich das in diesem Jahr so fortsetzt, werde ich mich in Zukunft auf Mysteries ab Schwierigkeit 3,5 sowie sehr lange Multis beschränken. Bei denen hatte ich noch keine Probleme. Damit schrecke ich dann hoffentlich die Punktesammler ab. Wer sich Zeit für einen aufwändigen Cache nimmt, der nimmt sich hoffentlich auch Zeit für die Bergung. Vielleicht wäre das auch eine Option für Glurak

  • #9
    Avatar Sturmreiter meinte

    So gut ich des Gluraks Entscheidung auch verstehen kann, hinterläßt sie bei mir doch ein schales Gefühl. Schließlich war meine bevorzugte Antwort auf die Frage wie man gute Caches legt immer: “Such mal so ca. 10 Stück vom Glurak, wenn Du es dann noch nicht verstanden hast, laß es lieber bleiben.”
    Woran sollen sich denn all die neuen, jungen, unbedarften, ahnungslosen aber auch die neugierigen und lernfähigen jetzt ein gutes Beispiel nehmen können wenn die Glurak’schen Dosen demnächst wirklich alle weg sind?!?

    Hoffen wir, daß der Glurak seine Lust am Verstecken irgendwann wiederfindet.
    Bis dahin beliebt mir nicht viel mehr als zu sagen: es muß ein Ruck durch die Community gehen hin zu mehr Sicht, sowohl um als auch rück. Ein Ruck hin zu mehr Verantwortungsbewußtsein und Feingefühl. Wer meint sich an keine Regeln oder Richtlinien halten zu müssen, lebt ganz schön gefährlich wenn er bei Grün die Straße überquert in der Annahme die Autos würden schon halten. Ja, ich weiß, das hinkt, aber das muß es auch, sonst wäre es ja kein Vergleich.

  • #10
    Avatar wuppel meinte

    Glurak’s haben Recht.
    Das geht Ihnen ja schon eine ganze Weile auf den Keks.
    Die letzten Archivierungen ließen nix Gutes ahnen.
    Ich war zudem immer von der vortrefflichen Wortwahl beeindruckt, die sie trotz des großen Ärgers immer noch fanden. Diese Worte trafen es immer auf den Punkt, nachher war halt verständlicherweise die Luft raus.
    Glurak- Caches konnte man immer bedenkenlos empfehlen und waren eine Kategorie für sich, irgendwie gar nicht vergleichbar.
    Gerade wenn man relativ viele Caches „am laufen“ hat, kommt man in letzter Zeit immer mal wieder an dem Punkt, wo man sich sagt; warum? warum? warum?
    Nun gehören solche Menschen wie die Glurak’s ja nicht zu denen, die jetzt jeden Abend betrunken vor der Glotze sitzen. Sie bleiben ja der Gesellschaft erhalten. Zwar nicht mehr so sehr als owner, was vielleicht bitter ist, aber es gibt ja auch ein Leben außerhalb des geocaching.
    Gerade, wenn man aber einen Cache an so geschichtlich bedeutenden und empfindlichen Orten platziert und dann alles zerstört wird und einen Log wie „….unsere Nr.24 am heutigen Tage“ bekommt, verliert natürlich jeder den Spaß.
    Gegen diese Log’s bin ich mittlerweile immun, was aber auch sehr lange gedauert hat – Zerstörung ist eine andere Sache und da ist er nur konsequent.
    Alles hat seine Zeit und alles wandelt sich… so ist das nun mal.
    Und wenn nun der Frust überwiegt, sollte man sich anderen Dingen widmen.
    Viel Spaß, denn das Leben ist zu kurz um sich lange rumzuärgern!

  • #11
    Avatar wuppel meinte

    Was hat jetzt die Vernetzung mit Facebook für Folgen?
    Außer dass glurak sofort alle restlichen Caches archiviert hat!
    Frei nach dem Motto schlimmer geht immer?
    Hmmm… Was soll ich davon halten?
    grübel grübel…

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